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Wenn
es um persönliche Schwächen geht, wird eine Eigenschaft
besonders häufig genannt: Ungeduld. Viele Menschen
erleben sich selbst als ungeduldig und merken, wie sehr
sie sich selbst (meistens auch dem Umfeld) dadurch das Leben
schwer machen - und möchten lernen, sich in Geduld
zu üben und weniger unter Strom zu stehen. Wie bei
jedem Training ist es am besten und vielversprechendsten,
ganz klein anzufangen
"Ich
möchte so gerne geduldiger und gelassener werden!"
Viele Menschen, die sich persönlich weiterentwickeln
und leichter durch's (Arbeits)Leben gehen möchten,
äußern sich so oder ähnlich.
Die
gute Nachricht lautet: Ja, es ist möglich, geduldiger
und gelassener zu werden! Die schlechte - und das ist schon
die erste große Hürde für ungeduldige Menschen:
Es geht nicht von heute auf morgen, sondern ist ein langer
und oft genug mühsamer Prozess. Und man sollte ganz
klein anfangen, um sich nicht zu überfordern und um
Erfolgserlebnisse auch möglich zu machen.
Hier ein paar Anregungen, wie Sie sich Schritt für
Schritt in Geduld üben können:
Am besten
beginnen Sie Ihr Gedulds-Training in ganz alltäglichen
und kleinen, ja vielleicht banal erscheinenden Situationen,
in denen Sie leicht ungeduldig werden und innerlich auf
Kohlen sitzen. Hier nur ein paar Beispiele: der Aufzug fährt
Ihrer Meinung nach nicht schnell genug, die Internetverbindung
baut sich nur schleppend auf, das Teewasser will und will
nicht kochen, Ihr Partner erzählt ein Detail nach dem
anderen und kommt nicht auf den Punkt, die Ampel steht ewig
auf Rot usw.
Gehen
Sie strategisch vor
Stürzen
Sie sich nicht Hals über Kopf in Ihr Gedulds-Training
und setzen Sie sich nicht mit - unrealistischen und schwammigen
- Vorsätzen wie "Ab morgen bin ich einfach etwas
geduldiger und nehme die Dinge gelassener. Was andere schaffen,
schaffe ich doch auch!" unter Druck. Denn die Wahrscheinlichkeit,
dass Sie sehr schnell an Ihre Grenzen kommen und in Ihre
üblichen Verhaltensmuster zurückfallen, ist enorm
groß. Gehen Sie lieber geplant und diszipliniert an
Ihr Projekt heran! Das erfordert zwar Aufwand und strapaziert
auch gleich Ihren (noch) nicht so gut entwickelten "Geduldsmuskel",
aber so geben Sie Ihrem Vorhaben und sich selbst eine echte
Chance.
So können Sie vorgehen:
- Machen Sie ein Brainstorming in Sachen Ungeduld und erstellen
Sie eine Liste Ihrer ganz persönlichen alltäglichen
"Ungedulds-Auslöser". Bitte lassen Sie die
richtig großen Themen außen vor und listen Sie
möglichst kleine Situationen auf.
- Wählen Sie eine oder zwei ganz konkrete Situationen
aus, mit denen Sie Ihr Training beginnen wollen. Das ist
viel besser, als sich einfach nur allgemein vorzunehmen,
geduldiger zu werden.
- Beschäftigen Sie sich erstmal nur theoretisch mit
der Situation/den Situationen, die Sie ausgewählt haben.
Rufen Sie sich ein entsprechendes Erlebnis vor Augen und
gehen Sie es im Geiste durch. Machen Sie sich ganz klar,
wie sich Ihre Ungeduld auswirkt - auf Ihren körperlichen
und emotionalen Zustand, auf Ihr Verhalten, auf Ihre Umgangsformen
und auf Ihr Image bei anderen. Erkennen Sie, wie wenig hilfreich,
ja wie kontraproduktiv Ihre Ungeduld ist.
Natürlich
bringt diese Erkenntnis alleine noch nicht sehr viel für
die Praxis, kann aber ein sehr starker Motivator sein und
Ihnen helfen, Ihr Training zu beginnen und durchzuhalten.
- Auch wenn Sie als ungeduldiger Mensch jetzt gleich loslegen
möchten: Es kann sehr hilfreich sein, sich eine Zeitlang
auf mentales Trainieren zu beschränken und erst später
im "richtigen Leben" aktiv zu werden.
Zum
Beispiel so: Stellen Sie sich vor und erleben Sie möglichst
intensiv, wie Sie in die vorher ausgewählte geduldstrapazierende
Situation kommen - und, entgegen Ihrer Gewohnheit, ganz
ruhig bleiben. Das klappt gut, wenn Sie Ihre Muskeln loslassen
und körperlich entspannt bleiben. Erleben Sie ganz
bewusst, wie anders und wie gut sich das anfühlt
- Überlegen Sie sich Sätze, mit denen Sie sich
selbst auf geduldigeres Verhalten polen können. Zum
Beispiel: "Wenn ich an der roten Ampel stehe, bleibe
ich innerlich ruhig!". Wichtig ist, dass Sie das wirklich
wollen, was Sie sich vornehmen, und diese Selbstsuggestionen
regelmäßig wiederholen (z. B. jeden Abend vor
dem Einschlafen).
- Es ist sehr wichtig, dass Sie sich im "Ernstfall"
an die eigenen Vorsätze und Pläne erinnern und
die gewohnheitsmäßige Ungeduldsreaktion verhindern
oder unterbrechen. Am besten wählen Sie etwas aus und
legen ein Signal für sich selbst fest. Zum Beispiel:
sich selbst innerlich"Stopp!" sagen, sich in den
Oberschenkel kneifen, den Ring oder eine Perle, die Sie
für diesen Zweck immer in der Hosentasche haben, anfassen
usw.
Üben
Sie ganz bewusst und immer wieder
Sobald
Sie sich fit genug und bereit fühlen, beginnen Sie
ganz bewusst und gezielt, im Alltag zu üben. Rufen
Sie sich jeden Morgen die von Ihnen ausgewählten Übungs-Situationen
vor Augen und stimmen Sie sich darauf ein. Wenn der "Ernstfall"
eintritt, gehen Sie am besten so vor:
- Machen Sie sich bewusst, dass jetzt Ihr Gedulds-Training
beginnt und verhindern oder unterbrechen Sie Ihre gewohnheitsmäßige
Reaktion durch das Signal, das Sie im Vorfeld festgelegt
haben.
- Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit nach innen und achten
Sie intensiv darauf, was in Ihrem Kopf und in Ihrem Körper
vor sich geht. Nehmen Sie Ihre Gedanken wahr und kommentieren
Sie sie für sich.
Zum
Beispiel: "Aha, jetzt denke ich Mann, wann wird
diese Ampel endlich grün? Ich habe es eilig!'".
Erleben Sie ganz bewusst, wie sich Ihre Gedanken auf Ihren
emotionalen und körperlichen Zustand auswirken, wie
Sie verspannen und verkrampfen
- Machen Sie sich dann in der Situation selbst nochmal klar,
wie wenig Sie sich mit Ihren ungeduldigen Gedanken und der
Anspannung helfen und wie nutzlos sie sind.
Aber:
Bitte schimpfen Sie nicht mit sich selbst, weil schon wieder
Ungeduld in Ihnen aufsteigt! Am besten und entspannendsten
wäre, wenn Sie über sich selbst schmunzeln und
sich innerlich etwas Nettes sagen könnten wie "Aha,
da bist du ja wieder, meine Ungeduld! Das ist in Ordnung,
aber ich steigere mich nicht hinein." Nehmen Sie wahr,
wie es sich auf Sie auswirkt, wenn Sie gelassener mit sich
selbst umgehen.
- Nutzen Sie Ihren Körper, um sich weiterhin zu beruhigen
und Ihrer Geduld auf die Sprünge zu helfen. Konzentrieren
Sie sich auf Ihre Atmung, atmen Sie möglichst ruhig,
gleichmäßig und tief. Achten Sie vor allem darauf,
intensiv und langsam auszuatmen. Nehmen Sie so gut wie möglich
wahr, wie Anspannung und Ungeduld sich langsam aber sicher
auflösen
Nehmen
Sie Erfolge und Misserfolge bewusst wahr
Es ist
sehr wichtig, dass Sie Ihre Fortschritte wirklich wahrnehmen
und sich bewusst machen - so klein sie am Anfang auch sein
mögen. Lassen Sie die Erlebnisse Revue passieren und
machen Sie sich ganz klar, was besser gelaufen ist als früher.
Genießen Sie das Gefühl, sich diesmal etwas weniger
unter Druck gesetzt oder sich schneller aus der Ungedulds-Spirale
befreit zu haben - und motivieren Sie sich zum Weitermachen.
Beschäftigen
Sie sich dann mit dem, was noch nicht so gut gelaufen ist
und womit Sie nicht zufrieden sind. Und beginnen Sie den
nächsten Trainingszyklus, indem Sie wieder mit einer
guten Vorbereitung starten.
Bitte überfordern Sie Ihren "Geduldsmuskel"
nicht, sondern bauen Sie ihn gezielt und Schritt für
Schritt auf. Üben Sie in verschiedensten kleinen und
"einfachen" Situationen und steigern Sie den Schwierigkeitsgrad
erst, wenn Sie diese wirklich mit Geduld und innerer Gelassenheit
meistern können. So legen Sie starke Grundlagen, um
auch in den heikelsten Situationen nicht mehr von Anspannung
und Ungeduld übermannt zu werden.
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